Barga: die schottischste Stadt Italiens

In den toskanischen Bergen liegt recht versteckt das malerische Städtchen Barga. Wer in diesem Ort Urlaub macht, muss sich auf eine kleine Überraschung gefasst machen. Denn hier spricht man Schottisch.

Auf den ersten Blick sieht Barga wie eine typische kleine Stadt in der Toskana aus: Enge Straßen, mittelalterliche Gebäude, die sich an den Berghang schmieden, über allem thront der Dom. Doch Barga zeichnet sich unter den toskanischen Städtchen ganz besonders aus: Der Ort bezeichnet sich als die schottischste Stadt Italiens.

Porridge zum Gelato

Jedes Jahr feiert Barga seine schottische Woche mit Events zur schottischen Kultur. Im Juli und August genießt man beim Fish-and-Chips-Festival (Sagra del Pesce e Patate ) die Spezialität. Und der Bäcker im Ort bietet schottischen Porridge oder typisches Shortbread an.

Barga in der Toskana.
Barga in der Toskana. (Foto: Wikipedia/PhilEOS)

Barga hat sich nicht einfach auf schottische Touristen spezialisiert, die sich wegen der toskanischen Berge wie in den Highlands fühlen. Der Grund für die Schottenliebe liegt woanders: Im 19. Jahrhundert emigrierten viele Einwohner wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage nach Schottland.

Von Barga nach Schottland

Die Barghigiani fanden dort ein passables Auskommen. Doch das Heimweh blieb – und vererbte sich auf die Nachkommen. So reisen die italienischen Schotten im Sommer gerne an ihren Ursprungsort zurück. Manche verbringen ihren Lebensabend hier. Sogar schottische Hochzeiten können Paare in Barga buchen – mit Dudelsack und Schottenrock. Deshalb also hört man im italienischen Gespräch öfters einen schottischen Akzent oder ganze Sätze auf Schottisch.

Neben Dudelsack auch Jazzmusik

Außer Fish and Chips hat Barga natürlich noch mehr zu bieten. Stolz sind die Barghigiani auf ihr Jazz-Festival. Das Event fand zum ersten Mal 1986 statt. Das Festival widmet sich jedes Jahr einem speziellen Jazz-Musiker, der zusammen mit dem Barga-Jazz-Orchester auftritt.

Sehenswürdigkeiten in Barga

Barga wäre kein richtiges toskanisches Städtchen, wenn es nicht malerische historische Sehenswürdigkeiten zu besichtigen gäbe.

  • Der romanische Dom San Cristoforo wurde zwischen dem 11. und 16. Jahrhundert erbaut. Beachtenswert ist die marmorne Kanzel. Außerdem steht im Innern eine hölzerne Statue von San Christopherus, dem Schutzpatron der Stadt. Vom Domplatz aus hat man einen spektakulären Ausblick auf die Umgebung bis zu den Apuanischen Alpen.
  • Neben dem Dom befindet sich der Palazzo Pretorio. Er wurde im 14. Jahrhundert erbaut und beherbergt das städtische Museum.
  • Im Barocktheater Teatro dei Differenti finden jedes Jahr kulturelle Veranstaltungen statt. Die beeindruckende Architektur ist einen Besuch wert.
  • Konservatorium S. Elisabetta: Ursprünglich ein Nonnenkloster aus dem 15. Jahrhundert, wurde es im 18. Jahrhundert zu einem Konservatorium für junge Damen umfunktioniert.  Insbesondere der Kreuzgang lohnt einen Besuch.
  • San Francesco: Die Kirche aus dem 15. Jahrhundert beherbergt beeindruckende Terrakotta-Arbeiten.
  • Palazzo Balduini, Palazzo Angeli Palazzo Pancrazi and Palazzo Podestà – ja, so klingt Italien. Wer Barga richtig genießen will, sollte einfach durch die historischen Gässchen schlendern und sich von der mittelalterlichen Atmosphäre einfangen lassen.
  • Die Ortschaft Castelvecchio Pascoli gleich nebenan beherbergt das Grab des Dichters Giovanni Pascoli nebst Museum.

Anfahrt und Lage 

Barga mit seinen knapp 10.000 Einwohnern liegt in der Toskana in der Provinz Lucca. Die Anreise erfolgt am besten mit dem Auto. Das historische Zentrum erreicht man aber nur zu Fuß. Eine Buslinie führt ebenfalls nach Barga.

Foto von PhilEOS [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], vom Wikimedia Commons

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.